WIRTSCHAFTSSPIEGEL – Ausgabe 3/2023

28 In Kooperation mit der Technischen Universität Bergakademie Freiberg geht ein Team der Hochschule Schmalkalden im Projekt „Robotraces. Robots are in town“ der Frage nach, wie Formen des automatisierten Warentransports mithilfe von Mikromobilen in der Zukunft organisier- und optimierbar sind. RoboTraces –Moderne Logistik mit Hilfe von Mikromobilen Unzählige Akteure aus verschiedenen Bereichen von akademischer Wissenschaft über kommerzielle Projekte bis hin zu Programmen der öffentlichen Verwaltung sind damit beschäftigt, neue Konzepte der individuellen Mobilität zu denken und ihre technische sowie rechtliche Realisierung voranzutreiben. Weniger Aufmerksamkeit erhalten hingegen kleinere autonom operierende Systeme, sogenannte Mikromobile, die Fuß- und Radwege nutzen. Diese Transportfahrzeuge bringen Waren selbststeuernd von Punkt a zu Punkt b, säubern die Umgebung oder bringen E-Roller zu Mietstationen zurück. Trotz mancher Parallelen zum autonomen Fahren bestehen in diesem Bereich auch gänzlich eigene ingenieurwissenschaftliche Herausforderungen. Kontaktbereiche von Menschen und Maschinen Im Projekt „RoboTraces“ erschließt ein Team ein bis dato wenig beachtetes Transportmittel, das sich als ein Element im Transformationsprozess der modernen Mobilität und der Logistik ausnimmt. Prof. Sebastian Zug von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und Prof. Frank Schrödel von der Hochschule Schmalkalden gehen nicht nur Fragen der technischen Umsetzung nach, ihr Ansatz wird um eine rechtliche und sozialwissenschaftliche Perspektive ergänzt. Diese zielt auf den praktischen Gebrauch der Roboter und deren alltäglichen Interaktionen mit Menschen. Die kooperative Interdisziplinarität des Forschungsansatzes dient dazu, autonome Mikromobilität aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten: Neben den technischen Heraus- forderungen und den infrastrukturellen Bedingungen stehen die Akzeptanzkriterien der Gesellschaft im Umgang mit Robotern im Fokus. Das Ziel ist der Weg Anders als die autonomen Fahrzeuge des Individualverkehrs sollen sich die Mikromobile in der Regel nicht auf Straßen bewegen, sondern auf Fuß- und Radwegen der Innenstädte. Sie befahren mithin öffentliche Bereiche, auf denen sich Passant:innen individuell fortbewegen. In der Folge entstehen Kontaktsituationen, für die neue Instrumente der Kommunikation zwischen Menschen und Robotern entwickelt werden müssen, also Formen gegenseitigen Verstehens. Für die Ingenieure kommen zwei Aufgaben zusammen: Einerseits müssen sich die Roboter selbst steuern können und die Fähigkeiten haben, auf verschiedenartigem Terrain zu navigieren. Andererseits bewegen sich die Fahrzeuge in einem geteilten Raum, in dem sie auf andere Verkehrsteilnehmer reagieren müssen. Letzteres ist ein Problem, da diese Einschätzung unter anderem eine Prognose des menschlichen Handelns verlangt. Um potentielle Risiken einschätzen zu können, müssen die Roboter absehen können, wie Passant:innen agieren. Für diese Beurteilung bedarf es einer großen Menge an Daten über das Verhalten von Passant:innen im öffentlichen Raum, die bislang in der benötigten Form und Qualität nicht vorliegen und in einer einmonatigen Testphase gesammelt werden sollen. Die Intention des Projektes ist es, die für die Akzeptanz zentralen Parameter der Indienstnahme autonomer Lieferroboter im öffentlichen Raum (wie Größe und Geschwindigkeit, Optik und Abstand) zu definieren und über eine systematische Datenerhebung Interaktionsmuster und objektive Rahmenbedingungen zu konkretisieren. In zwei urbanen Testgebieten in Gera und Freiberg wird der Einsatz der Roboter bis zum Herbst 2023 erprobt und die Reaktion der Umgebung im Umgang mit den Robotern gesichtet und wissenschaftlich ausgewertet. Durch die langfristige Anlage der Hochschule Schmalkalden (HSM) Testfahrt durch Freiberg Anzeige

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