Das Wirtschaftsmagazin für Thüringen www.wirtschaftsspiegel-thueringen.com Nr. 03.2023 ı 19. Jg. ı 78363 ı 7,70 EUR © peshkova - stock.adobe.com ALTERNATIVE ANTRIEBE Was sind eigentlich E-Fuels? MOBILITÄT IM UNTERNEHMEN Welche Kriterien sind zu beachten? WIRTSCHAFT & GESUNDHEIT Sprechstunde bei Dr. Chatbot Was uns antreibt Wie gelingt die Transformation?
AUTOMATISCH UNTERWEGS Fahrerlose Transportsysteme :HLWHUH ,QIRUPDWLRQHQ ˂QGHQ 6LH KLHU ʋfoerdertechnik.lindig.com 26.10.2023 - Save the Date www.logistikradar.com Eine Kooperation von Mehr unter $XWRPDWLVLHUWH /RJLVWLNIDKU]HXJH VLQG GLH =XNXQIW GHV HI˂]LHQWHQ 0DWHULDO˃XVVHV 6LH HQWODVWHQ 0LWDUEHLWHU YRQ HUP¾GHQGHQ 7UDQVSRUWDXIJDEHQ VWHLJHUQ GLH 8PVFKODJVOHLVWXQJ XQG UHGX]LHUHQ GLH )HKOHU XQG 8QIDOOUDWHQ LP /DJHU 0LW GHQ (OHNWURVWDSOHUQ +XEZDJHQ XQG 6FKOHSSHUQ GHU 0$7,& 5HLKH ELHWHW /LQGH 0DWHULDO +DQGOLQJ HLQ EUHLWHV 6RUWLPHQW KRFKHQWZLFNHOWHU $XWRPDWLVLHUXQJVO¸VXQJHQ $OOH 0RGHOOH YHUI¾JHQ ¾EHU LQWHOOLJHQWH 1DYLJDWLRQV XQG 6LFKHUKHLWVWHFKQRORJLH ODVVHQ VLFK DEHU DXFK NRQYHQWLRQHOO SHU +DQGVWHXHUXQJ PDQ¸YULHUHQ
Editorial 3 Foto: Sandro Jödicke_whitedesk vor einigen Wochen, als wir das Ihnen nun vorliegende Magazin ankündigten, verwendeten wir den Arbeitstitel „Transformation vorantreiben“. Ein hipper Slogan, Business Buzzword. Eine Wortgruppe, die verkürzt meint: „In einer Führungsrolle den Wandel gestalten wollen“. Um den mannigfaltigen, gegenwärtigen und immer konkreter werdenden zukünftigen Anforderungen zu begegnen, braucht es neben dem operativen Handlungsspielraum vor allem neue Denkansätze, Budget und Mut, Wege ins Experimentelle gehen zu wollen. Wie Sie wissen, bin ich viel in Unternehmen unterwegs. Ich versichere Ihnen, dass es weder an dieser Erkenntnis, noch an der Kompetenz liegt. Es ist großartig zu sehen, wie Technologien und Materialien erforscht oder Prozesse innoviert werden. Davon zeugt dieses Heft. Was wir noch deutlicher in den Blick nehmen können, sind wir Menschen selbst. Ich bin ein Wendekind, gehöre zur dritten Generation Ost, der durch ihre Historie attestiert wird, eine besondere Transformationskompetenz aufzuweisen. Den Wandel als Chance, als Challenge zu begreifen, ist meine DNA. Und nicht nur meine. „Das Kreativste, was ich mir vorstellen kann, ist ein Problem, eine Notlage und ein Team Ingenieure.“ Stephan Preuß, Geschäftsführer der Jenaer Antriebstechnik GmbH und Thüringer Hidden Champion Um zu verstehen, wie enorm dieser Vorteil ist und wie viele ihn haben, dafür braucht es mehr Sichtbarkeit. Wir sind zu leise. Neben den Risiken müssen wir auch die Erfolgsgeschichten diskutieren, Ableitungen finden. Machen wir erfolgreichen Wandel transparent, ermutigen wir Menschen anderer Generationen und Sozialisierungen, gemeinsam mit uns die neuen Wege zu gehen! Bereit? Juliane Keith Liebe Leserinnen und Leser,
Thüringen Aus dem Inhalt Automobil- und Zulieferindustrie 16 Human Centricity wird die Branche deutlich verändern 20 Rekordjahr für deutsche E-Autohersteller erwartet 22 Starker Partner für die deutsche Mobilitäts- und Energiewende 08 34 20 32 Aus Thüringer Unternehmen 32 Innovation am Rennsteig 40 AOK PLUS treibt digitale Transformation voran 42 Sportklinik Erfurt lebt die Zukunft Alternative Antriebe 08 Eine Übersicht vom E-Antrieb bis LPG 09 Neue Werkstoffe für alternative Antriebe 12 Was sind eigentlich E-Fuels 14 Alternative Antriebe im Firmenfuhrpark Forschung · Entwicklung · Innovation 19 TH2ECO erwartet Fördermittel 30 Fahrerloser Bus in Ilmenau 34 Ilmenauer Wissenschaftsnacht Thüringen 06 Regionale Wirtschaftsnachrichten 47 Köpfe und Karrieren
Thüringen 5 m.mphoto, elektronik-zeit, phonlamaiphoto (alle stock.adobe.com), TU Ilmenau/Michael Reichel, gbn, Wolfram Schubert/NAT 48 41 Aus den Netzwerken 24 Neues Zulieferernetzwerk in Westthüringen 48 NAThüringen verlängert 49 Neuer Vorstand und neue Mitglieder im NUV Wirtschaft & Gesundheit 38 Digitale Arbeit erfolgreich gesund gestalten 41 Hier ist Dr. Chatbot 44 Neuer Studiengang in Eisenach Interessante Angebote 26 Weiterbildung ist wichtig für das Gelingen der Transformation 31 Coobase als Tool in Sachen Energie Anzeige
6 Fotos: JenaWirtschaft (S.6), UVT (S. 7) Unternehmerinnen-Stammtisch Frauen in Zella-Mehlis im Landkreis Schmalkalden-Meiningen haben einen Stammtisch für Unternehmerinnen ins Leben gerufen. Nach Angaben der Organisatorin haben sich in dieser Woche erstmals zehn Frauen getroffen. Ziel sei es, sich zu vernetzen und auszutauschen. Den Angaben nach waren Unternehmerinnen aus verschiedenen Branchen dabei. Hohes Umsatzplus Gestiegene Preise haben den Industriebetrieben in Thüringen im ersten Jahresviertel ein dickes Umsatzplus beschert. Es belief sich nach Angaben des Statistischen Landesamts auf über 13 Prozent. Demnach erhöhte sich der Industrie-Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Land von 8,9 auf 10,1 Milliarden Euro. Spitzenreiter war erneut der Wartburgkreis, gefolgt vom Kreis Gotha und dem Ilm-Kreis. Nur im Saale-Orla-Kreis machten die Industrie-Betriebe schlechtere Geschäfte. Unterstützung für Unternehmen Unternehmen im Ilm-Kreis sollen ab sofort mit einem Fachkräfteservice der Ausländerbehörde bei der Personalsuche unterstützt werden. Dadurch sollen Fachkräfte aus Drittstaaten gesichert werden. Das Angebot richte sich an Bewerberinnen und Bewerber sowie vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen. Ziel sei es, die Bürokratie abzubauen. Sind die Voraussetzungen gegeben, könnten die Unternehmen eine beschleunigte Einreise für Bewerber beantragen. Richtfest gefeiert Die FBGS Technologies GmbH hat das Richtfest ihres neuen Firmensitzes in ihrer Heimatstadt Jena gefeiert. Auf 2.000 Quadratmeter Fläche erstreckt sich ab dem späten Herbst die Entwicklung und Produktion von faseroptischen Sensoren. Der neue Firmensitz wird in Göschwitz errichtet, wo zurzeit das Technologie-Gewerbegebiet Jena21 entsteht. Mehr Geld Die Mitarbeitenden des Getränkeherstellers Thüringer Waldquell in Schmalkalden bekommen mehr Geld. Die Löhne werden bis Februar 2027 an die Tarife im hessischen Stammbetrieb in Bad Vilbel angeglichen. Fördermittel zugesagt Das in Jena ansässige Unternehmen Zollsoft GmbH erhält Fördermittel für KI-Entwicklung vom Bund. Im Fokus steht die Entwicklung eines automatisierten und sprachgesteuerten Arztassistenten. Zukünftig soll damit ein noch besserer Service für Ärztinnen und Ärzte geboten werden. Kein Neubau Der südkoreanische Konzern SungEel investiert nicht in Rudolstadt. Der Antrag auf Genehmigung einer Batterie-Recycling-Anlage sei zurückgezogen worden, teilte das Unternehmen mit. Gegen die Recycling-Anlage hatte es in der Region heftigen Widerstand gegeben. Viele Anwohner befürchteten, dass die Abgase der Anlage Menschen und Natur schädigen könnten. Bei den Behörden gingen rund 2.000 Einwände ein. Wirtschaftsnachrichten aus Thüringen Neue Produkte Das Suhler CD-Werk hat sich auf neue Produkte eingestellt. Die Suhler CDA GmbH produziert jetzt nach eigenen Angaben auch optische Kunststoff-Linsen. Sie werden laut Geschäftsführung später in virtuelle Brillen für einen Auftraggeber aus den USA verbaut. Im Werk wurden Maschinen so um- gerüstet, dass statt CDs und DVDs nun komplexe optische Systeme hergestellt werden können. Dazu investierte das Unternehmen – das mittlerweile den geschäftsführenden Gesellschaftern gehört – rund zwölf Millionen Euro. Erfolgreiches Geschäftsjahr Die Böttcher AG blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Das E-Commerce-Unternehmen aus Jena erzielte 2022 einen Umsatz von insgesamt 635 Millionen Euro. Damit stellte es ein erneutes betriebliches Rekordergebnis auf. Für das Geschäftsjahr 2023 rechnet der Vorstand des Unternehmens mit einem erneuten deutlichen Zuwachs auf einen Gesamtumsatz von bis zu 750 Millionen Euro. Hightech-Blitzer Der Technologiekonzern Jenoptik hat eines der weltweit ersten Systeme gegen sogenanntes „abgelenktes Fahren“ hergestellt. Wie ein Unternehmenssprecher sagte, gehören dazu Kameras und eine intelligente Software. Die Technik erkenne, wenn Autofahrer Mobiltelefone benutzen oder nicht angeschnallt sind. Das System sei vom Justizministerium im Bundesstaat Victoria in Australien in Auftrag gegeben worden. Jenoptik werde mehrere Anhänger mit Software und Kameras liefern. Thüringen
7 Thüringen Hohe Beschäftigungsquote EU-Ausländer in Thüringen haben eine höhere Beschäftigungsquote als deutsche Staatsangehörige. Das geht aus Zahlen der Bundesarbeitsagentur hervor. Insgesamt standen im vergangenen Oktober 71 Prozent aller Erwachsenen in Thüringen in Lohn und Brot. Bei den EU-Ausländern sind es 74 Prozent gewesen. Beschäftigungs-Spitzenreiter sind demnach Rumänen mit einer Quote von 82 Prozent der Erwachsenen. Neues Logistikzentrum Auf dem Kindel bei Eisenach ist das neue Logistikzentrum der Weidmüller-Gruppe offiziell eröffnet worden. Der Bau hat zwei Jahre gedauert. In dem Industriegebiet entsteht damit der neue Umschlagplatz für die Produkte des Unternehmens. Seit mehr als 30 Jahren betreibt Weidmüller einen Produktionsstandort im nahegelegenen Wutha-Farnroda. Frauenpower beim UVT Der Unternehmerverband Thüringen e.V. (UVT) kann sich über einen rein weiblichen Mitgliederzuwachs freuen. Iris Thowirth (antaris Immobilien GmbH), Wenpei - Viola - Lin (CATL), Katja Grosch (Grosch Kosmetik), Franziska Rosenbaum (Ibykus AG) und Melanie Thurm (Das Schwarze Schaf) (v.l.) bringen künftig Frauenpower in den Verband. Begrüßt wurden sie von Vorstandsmitglied Wolfgang Myrth. Sorgen unbegründet Die Leitung des Eisenacher Bosch-Werkes sieht die Sorgen von Beschäftigten angesichts des Wandels zu E-Mobilität als unbegründet. Es sei kein Abbau von Mitarbeitenden geplant, hieß es aus dem Unternehmen. Im Gegenteil würden derzeit rund 150 neue Mitarbeitende eingestellt. Grund dafür sei die hohe Nachfrage nach der 48-Volt-Batterie. Design - Bau - Service Immobilien mit System GOLDBECK Niederlassung Thüringen, 99334 Amt Wachsenburg, Thöreyer Straße 1, Tel. +49 36202 707-0, erfurt@goldbeck.de GOLDBECK Geschäftsstelle Suhl, 98544 Zella-Mehlis, Zellaer Höhe 2b, Tel. +49 3682 46060-100, suhl@goldbeck.de building excellence goldbeck.de Förderung Das Gewerbegebiet „Oberhalb der Bahn“ in Gerstungen im Wartburgkreis kann in die zweite Bauphase gehen. Das Thüringer Wirtschaftsministerium übergab einen Förderbescheid über 12,75 Millionen Euro. Insgesamt liegen die Kosten bei 17,36 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollen laut Ministerium im Frühjahr 2025 abgeschlossen sein. Danach soll ein weiterer Abschnitt folgen, bei dem die Erschließungsstraße zum Gewerbegebiet fertiggestellt wird. Neue Firmenhalle Das Unternehmen Stadler Treppen in Schleusingen baut eine neue Firmenhalle. Nach Unternehmensangaben werden mehrere Millionen Euro investiert. Mittlerweile ist der erste Spatenstich gesetzt worden. Der Neubau entsteht auf dem eigenen Firmengelände, dafür sind alte Gebäude bereits abgerissen worden. Die neue Halle soll Mitte Dezember fertig sein. (tl) Anzeige
Alternative Antriebe 8 Foto: m.mphoto - stock.adobe.com In der öffentlichen Debatte werden alternative Antriebe in der Mobilität gern auf Wasserstoff oder Elektromobilität beschränkt – gern auch als Glaubenskrieg. Völlig egal, welcher Fraktion man sich zugehörig fühlt: Es gibt heute eine Vielzahl von alternativen Antrieben, die eine umweltfreundlichere Zukunft der Mobilität ermöglichen können. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Antriebe sich in Zukunft durchsetzen und welche Technologien sich als die effektivsten und nachhaltigsten erweisen werden. Hier sind die wichtigsten Beispiele: Welche alternativen Antriebe gibt es in der Mobilität? Mehr als Wasserstoff oder Elektro Elektromotor Elektroautos werden immer beliebter, da sie umweltfreundlicher sind als herkömmliche Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Elektroautos sind leise, haben eine hohe Beschleunigung und erzeugen keine Abgase. Sie können entweder durch das Aufladen an einer Steckdose oder durch Brennstoffzellen angetrieben werden. Wasserstoff Brennstoffzellenfahrzeuge werden mit Wasserstoff betrieben und stoßen nur Wasserdampf aus. Sie sind leise und können eine lange Strecke zurücklegen, bevor sie aufgetankt werden müssen. Brennstoffzellenfahrzeuge haben jedoch auch einige Nachteile, wie beispielsweise die begrenzte Anzahl von Tankstellen und den hohen Preis. Hybridantrieb Hybridfahrzeuge nutzen sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen Elektromotor, um eine bessere Kraftstoffeffizienz zu erreichen. Sie sind besonders gut geeignet für Stadtverkehr, bei dem der Elektromotor genutzt wird, und für Langstreckenfahrten, bei denen der Verbrennungsmotor eingesetzt wird. Bio-Kraftstoffe Bio-Kraftstoffe wie Ethanol und Biodiesel werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind daher umweltfreundlicher als herkömmliche Kraftstoffe. Bio-Kraftstoffe können jedoch teurer sein als herkömmliche Kraftstoffe. Zudem gibt es Bedenken, dass der Anbau von Energiepflanzen zu Landnutzungsänderungen und anderen Umweltproblemen führen kann. Compressed Natural Gas (CNG) CNG wird als Treibstoff für Gasfahrzeuge verwendet und ist in der Regel umweltfreundlicher als herkömmliche Kraftstoffe. CNG-Fahrzeuge sind jedoch teurer als herkömmliche Fahrzeuge und es gibt nur wenige CNG-Tankstellen. LPG/Autogas Liquefied Petroleum Gas (LPG), auch Autogas genannt, ist im Gegensatz zu CNG kein alternativer Kraftstoff, denn es fällt als Nebenprodukt bei der Förderung und Verarbeitung von Rohöl an. Die Verfügbarkeit ist somit unmittelbar an die Produktion von Öl gebunden. Autogas ist ein Gemisch aus Propan und Butan. Es ist nicht mit verflüssigtem Erdgas (LNG) zu verwechseln. (tl)
9 Foto: TITK Alternative Antriebe Der Transportsektor ist traditionell das größte Anwendungsfeld für Faserverbundwerkstoffe. Im Jahr 2021 flossen in Europa über 50 Prozent der Faserverbundproduktion in Mobilitätsanwendungen wie PKW, Nutzfahrzeuge, die Luftfahrt und den ÖPNV. Auch für Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten spielen der Leichtbau und die Anwendung von Faserverbundwerkstoffen eine wichtige Rolle. Prof. Dr.-Ing. Florian Puch, seit März 2021 Fachgebietsleiter des Fachgebiets Kunststofftechnik der TU Ilmenau und wissenschaftlicher Leiter des TITK, erörtert dies in seinem Fachbeitrag. Faserverbund-Leichtbau für alternative Antriebskonzepte Leichtbau mit Faserverbundwerkstoffen ermöglicht es, Masse, Material und Energie bei gleichzeitiger Funktionserfüllung einzusparen, wodurch der CO2-Ausstoß in der jeweiligen Anwendung signifikant verringert werden kann. Für diese Schlüsseltechnologie bilden das Fachgebiet Kunst- stofftechnik der Technischen Universität Ilmenau und das Thüringische Institut für Textil- und KunststoffForschung e.V. Rudolstadt (TITK) als An-Institut der TU Ilmenau gemeinschaftlich im Rahmen der Kernkompetenz Kunststofftechnik und Leichtbau am Thüringer Innovations- zentrum Mobilität (ThIMo) die gesamte Forschungswertschöpfungskette von der Grundlagenforschung an der TU Ilmenau bis zumMarkttransfer durch das TITK ab. Das ThIMo verfolgt gemäß seiner strategischen Ausrichtung das Ziel, den Wandel der Industrie zu nachhaltigen Mobilitätstechnologien zu begleiten. Hierfür werden wissenschaftlich herausragende Erkenntnisse mit dem Fokus auf industrietaugliche und wirtschaftlich verwertbare Lösungen erarbeitet. Im Bereich des Faserverbund-Leichtbaus für alternative Antriebskonzepte erstrecken sich die Forschungsaktivitäten von Leichtbaukonzepten für Elektromotoren über die Herstellung und Verarbeitung von Faserhalbzeugen und endlosfaserverstärkten Thermoplasten, die unter anderem im Batteriekasten Anwendung finden können, bis hin zu Wickelverfahren, die für die Herstellung von Wasserstofftanks eingesetzt werden können. Axialflussmaschine mit Faserverbund-Rotor Grundlagenforschung zu neuartigen Elektromotoren, die ohne seltene Erden hergestellt werden können, wurde durch eine vom Freistaat Thüringen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanzierte Forschungsgruppe „NEMOFASER - Neuartige Motorenkonzepte auf Basis hybrider Faserverbundwerkstoffe und aerostatisch gelagerter Aktivteile“ (Förderkennzeichen 2017 FGR 0080) an der TU Ilmenau ermöglicht. Wissenschaftler aus den ThIMo-Mitgliedsfachgebieten Direktextrusionsanlage zur Herstellung endlosfaserverstärkter Thermoplaste
Prof. Florian Puch Kunststofftechnik sowie Kleinmaschinen und Industrieelektronik entwickelten ein Konzept zur Auslegung sogenannter Axialflussmaschinen, die insbesondere für mobile Anwendungen prädestiniert sind. Ziel der Forschung war es alternative Antriebslösungen zu finden, die eine geringe Masse aufweisen und gleichzeitig ein hohes Drehmoment erlauben. Axialflussmaschinen verbinden diese Eigenschaften vorteilhaft miteinander, sind jedoch aufgrund hoher Fliehkräfte in ihrem maximal möglichen Durchmesser limitiert. Begrenzender Faktor ist bislang die Festigkeit der verwendeten Werkstoffe. Der gezielte Einsatz von Faserverbundwerkstoffen in der Rotorscheibe kann zu einer signifikanten Verbesserung der richtungsabhängigen mechanischen Eigenschaften und so zu einer Erweiterung des möglichen Anwendungsspektrums führen. Das durch die Forschungsgruppe entwickelte Funk- tionsmuster zeigte das Potenzial des Konzepts auf. Die Anforderungen an Maßhaltigkeit und Oberflächengüte für den Rotoraufbau sind Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten. Serientaugliche Herstellung endlosfaserverstärkter Thermoplaste Endlosfaserverstärkte Thermoplaste, so genannte Organobleche, können unter anderem für Batteriekästen mit geringer Masse zum Einsatz kommen. Zur Herstellung der Organobleche verfolgt das Fachgebiet Kunststofftechnik den Ansatz der energetisch günstigen Direktextrusion. Hierbei wird das Granulat mit einem Extruder aufgeschmolzen, beidseitig auf das Faserhalbzeug aufgetragen und tränkt dieses anschließend durch zwei Walzen. Um eine möglichst vollständige Imprägnierung zu erreichen, kann das Organoblech mit einer Kaschieranlage nachverdichtet werden. Die im Rahmen der ThIMo-Projektförderung beschaffte Anlage im Labormaßstab erlaubt die Herstellung von Organoblechen mit einer Breite von bis zu 250 Millimeter. Am TITK können Organobleche ausgehend von Folien und Faserhalbzeugen im Film-Stacking durch eine Doppelbandpresse oder eine getaktete Presse im Technikumsmaßstab mit einer Breite von bis zu 600 Millimeter mit der getakteten Presse und bis zu 1.000 Millimeter mit der Doppelbandpresse hergestellt werden. Das Zuschneiden der Organobleche oder von Schichtaufbauten aus Faserhalbzeugen für Batteriekästen sowie das anschließende Handling mit einem Industrieroboter kann am TITK erprobt werden. Für den KoordinatenSchneidtisch mit einer Arbeitsbreite von 3.200 Millimeter stehen für biegeschlaffe- und steife Materialien Rund- und Ziehmesser zur Verfügung. Wabenmaterial kann mit einem oszillierenden Messer konfektioniert werden. Schnittbilderstellung und optimale Ausnutzung der Materialien erfolgt softwareunterstützt unter Berücksichtigung von Materialbreite, Zuschnittkontur, Anzahl der Zuschnitte und Entnahmewinkel. Nach dem Zuschnitt ist das Handling durch einen Industrieroboter möglich. Für das Greifen und Vereinzeln diverser Materialien wurde ein in Profilbauweise modular aufgebautes Werkzeug entwickelt, das Änderungen wie Wechsel der Greiferarten oder Grei- ferpositionierung mit relativ geringem Aufwand zulässt. Die Abmaße des Greifers entsprechen mit 1.000 mal 500 Millimetern in etwa gängigen Bauteilgrößen wie sie in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Durch die Segmentierung der Grundfläche ist man hinsichtlich der Größe des zu greifenden Zuschnittes flexibel. Wickeln rotationssymetrischer Körper Das Faserwickeln von rotationssymmetrischen Körpern und Prüfkörpern beispielsweise für Wasserstofftanks mit duroplastischer Matrix ist am TITK bereits etabliert. Durch ein laufendes Investitionsprojekt, das vom Freistaat Thüringen durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und von REACTEU unter dem Förderkennzeichen 2022 IZN 0006 kofinanziert wird, wird zukünftig auch das Legen und Wickeln von thermoplastischen, unidirektional-faserverstärkten Tapes möglich Alternative Antriebe 10 Fotos: TITK, Beikirch CNC-Schneidtisch und Industrieroboter des TITK
Herstellungsverfahren für endlosfaserverstärkte Thermoplaste www.titk.de www.tu-Ilmenau.de/KTI www.mobilitaet-thueringen.de sein. Zusätzlich soll ein Extrusionsverfahren zur Herstellung der Thermoplast-Tapes an der TU Ilmenau implementiert werden, sodass die gesamte Wertschöpfungskette durch die Forschungspartner abgedeckt wird. Gemeinsame Forschungsschwerpunkte werden neben glas- und kohlenstofffaserverstärkten Tapes die Herstellung und Verarbeitung von natur- faserverstärkten und polymerfaserverstärkten Thermoplast-Tapes bilden. Die Zusammenarbeit des Fachgebiets Kunststofftechnik und des TITK hat nicht nur zum Ziel neue Konzepte für den Faserverbund-Leichtbau zu entwickeln, sondern diese auch in der Industrie insbesondere bei Thüringer KMU zu etablieren. Professor Matthias Hein, Direktor des ThIMo, sieht in der Kooperation mit dem TITK neben der langjährigen intensiven und guten Zusammenarbeit insbesondere zusätzliche Möglichkeiten des Transfers: „Das TITK arbeitet als wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung mit einer Vielzahl an Unternehmen zusammen und unterstützt diese bei der Einführung neuer Technologien. Deshalb erweitert die Zusammenarbeit mit dem TITK unsere Möglichkeiten Forschungsergebnisse in die Praxis zu übertragen“. Umgekehrt ist für Benjamin Redlingshöfer, geschäftsführender Direktor des TITK, klar, dass die Grundlagenforschung des ThIMo dem TITK neue Impulse gibt und aufeinander abgestimmte ForschungsstrukAlternative Antriebe 11 Grafik: TITK Transformationskonzepte & CO -Bilanzierung Simulation der CO -neutralen Energieversorgung mittels Energiesystemmodellierung Maßnahmen-Roadmap zur Umsetzung Projektmanagement & Fördermittelberatung Studien und Fachrecherchen Fachkommunikation, Veranstaltungen Services zur Dekarbonisierung der Energieversorgung für Unternehmen / Industriecluster: 2 www.theen-ev.de Wir konzipieren Ihre Energieversorgung von morgen. Ausgerechnet. Ausgezeichnet. Sprechen Sie uns an! ThEENtransition 2 turen geschaffen werden können: „Am TITK können wir Erkenntnisse der Grundlagenforschung aus Ilmenau aufgreifen und erhalten so neue Ansatzpunkte. Gleichzeitig stimmen wir unsere Bedarfe bei der Geräteinfrastruktur ab, sodass wir uns ideal ergänzen“. (fp) Anzeige
Alternative Antriebe 12 Sie sind in aller Munde, seitdem die deutsche Politik auf Initiative der FDP eine Aufweichung des von der EU verordneten Verbrenner-Verbots ab 2035 durchgesetzt hat. Das heißt, Verbrenner-Autos, die mit klimafreundlichen synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betankt werden, sind von dem Verbot ausgeschlossen. Für den WIRTSCHAFTSSPIEGEL Grund genug, genauer zu beleuchten, was es mit den E-Fuels eigentlich auf sich hat. Was sind E-Fuels? Synthetische Kraftstoffe haben in Deutschland lange Tradition E-Fuels, auch als synthetische Kraftstoffe bezeichnet, sind flüssige oder gasförmige Brennstoffe, die aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Solarenergie hergestellt werden. Sie sind eine alternative Möglichkeit, um Fahrzeuge anzutreiben, ohne auf elektrische Batterien angewiesen zu sein. Die Geschichte der Entwicklung und Herstellung synthetischer Kraftstoffe hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Heute gewinnen sie wieder an Bedeutung, um den Übergang zu einer nachhaltigeren Mobilität zu unterstützen und den CO2-Fußabdruck von Transportmitteln zu reduzieren. Lange Tradition in Deutschland Die Geschichte der synthetischen Kraftstoffe geht bis in die 1920er Jahre zurück. In dieser Zeit wurde die Produktion von synthetischen Kraftstoffen durch den Mangel an Rohöl und die Notwendigkeit, unabhängiger von Importen zu werden, vorangetrieben. Die ersten synthetischen Kraftstoffe wurden durch die Umwandlung von Kohle in flüssige Kraftstoffe hergestellt. Während des Zweiten Weltkriegs erreichte die Produktion synthetischer Kraftstoffe einen Höhepunkt, als Deutschland aufgrund von Engpässen bei der Rohölversorgung begann, synthetische Kraftstoffe aus Kohle und Gas herzustellen. Diese synthetischen Kraftstoffe, die als „Ersatz“ bezeichnet wurden, hat man in großer Menge produziert und zur Versorgung der deutschen Kriegsmaschinerie eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Produktion synthetischer Kraftstoffe in den meisten Ländern rückläufig, da sich die Rohölversorgung normalisierte und sich der Fokus auf andere Formen der Energiegewinnung verschob. In den 1970er Jahren erlebte die Produktion synthetischer Kraftstoffe jedoch eine Renaissance, als die Ölkrise zu steigenden Preisen und einem verstärkten Interesse an alternativen Kraftstoffen führte. Interesse nimmt wieder zu In den vergangenen Jahren hat das Interesse an synthetischen Kraftstoffen wieder zugenommen, da sie als eine mögliche Lösung für die Reduzierung von CO2-Emissionen im Transportsektor angesehen werden. Einige Länder wie Deutschland und Schweden haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 einen beträchtlichen Anteil ihrer Treibhausgasemissionen durch den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen zu reduzieren. Die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen ist heute technologisch fortgeschritten. Einige der gängigen Verfahren zur Herstellung von E-Fuels umfassen die Umwandlung von Kohlendioxid in Kraftstoffe durch elektrochemische Prozesse, die Herstellung von synthetischemMethan aus erneuerbaremWasserstoff und CO2 oder die Herstellung von flüssigen Kraftstoffen durch Fischer-Tropsch-Synthese. Neue Forschungsanlage in Leuna Im Chemiepark Leuna im Saalekreis soll in Zukunft zu E-Fuels geforscht werden. Das meldete kürzlich der MDR unter Berufung auf das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Demnach ist der Standort für den Bau einer Forschungsanlage ausgewählt worden. Ziel sei es, gemeinsam mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen notwendige großtechnische Technologien und Verfahren zu entwickeln und zu testen. Der Baubeginn für die Forschungsanlage sei für Januar 2024 geplant. Für die Planung der neuen Forschungsanlage stellt das Bundesverkehrsministerium, zu dem das DLR gehört, 12,7 Millionen Euro zur Verfügung. Für die spätere Umsetzung sollen diesen Angaben zufolge Mittel in einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag bewilligt werden. Es sei vorerst geplant, die Forschungsanlage in Leuna bis 2035 zu betreiben, hieß es. Die geplante, Power-to-Liquid (PtL) genannte, Plattform soll aus zwei aufeinander aufbauenden Anlagensträn-
Alternative Antriebe 13 Foto: Fokussiert - stock.adobe.com gen bestehen: Im Forschungsstrang will das DLR mit Wissenschaft und Industrie neue Technologien und Prozesse erproben. Die Forschenden wollen dafür detaillierte wissenschaftliche Analysen durchführen und einzelne Komponenten optimieren. Der Demonstrationsstrang besteht aus einer semi-industriellen Anlage, die jährlich bis zu 10.000 Tonnen strombasierte Kraftstoffe produziert. Zusammengenommen wäre das Projekt die weltweit größte Forschungsanlage im Bereich der strombasierten Kraftstoffe, erklärt das DLR. Vorteile von E-Fuels E-Fuels können in herkömmlichen Verbrennungsmotoren verwendet werden, ohne dass das Fahrzeugmodell oder der Motor angepasst werden muss, was sie für die Umrüstung von bereits existierenden Fahrzeugflotten geeignet macht. Sie können den CO2-Fußabdruck von Fahrzeugen reduzieren, da die Emissionsreduktion nicht nur auf dem Kraftstoff selbst beruht, sondern auch auf der Art und Weise, wie der Kraftstoff produziert wird. E-Fuels können eine zuverlässige Ergänzung zu Elektrofahrzeugen darstellen, insbesondere bei Anwendungen, bei denen Elektrofahrzeuge aufgrund von Reichweitenbeschränkungen nicht geeignet sind. Nachteile von E-Fuels Die Herstellung von E-Fuels erfordert einen hohen Energieaufwand, was die Effizienz reduzieren und die Kosten erhöhen kann. E-Fuels sind teurer als herkömmliche Kraftstoffe, was sich negativ auf die Nachfrage auswirken kann. Aber das muss nicht so bleiben. Für den ADAC scheint perspektivisch ein Preis von weniger als zwei Euro pro Liter machbar. Nach Aussagen des Automobilclubs spreche dafür einerseits, dass die Produktionskosten für regenerativen Strom fallen, und andererseits eine hochfahrende Massenherstellung die E-Fuels günstiger werden ließe. Prognosen rechnen mit einem Preis von 1,45 bis 2,24 Euro für einen Liter E-Benzin inklusive Steuern im Jahr 2050. Wichtig zu wissen: Gegenwärtig liegt der Wirkungsgrad von E-Fuels nur bei etwa 10 bis 15 Prozent. Elektroautos können 80 bis 90 Prozent der Ausgangsenergie auf die Straße bringen. Unser Fazit Insgesamt sind E-Fuels perspektivisch eine interessante Möglichkeit, um den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen zu reduzieren, insbesondere für Fahrzeuganwendungen, bei denen alternative Antriebe nicht geeignet sind. Es ist jedoch wichtig, dass ihre Herstellung auf erneuerbare Energiequellen beschränkt wird, um ihren Nutzen für die Umwelt zu maximieren. Bis es dazu kommt, wird es allerdings noch lange dauern. (tl)
Alternative Antriebe 14 Foto: scharfsinn86 - stock.adobe.com Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wenn es um den Fuhrpark geht, haben Unternehmen nicht nur die Auswahl zwischen Modellen unterschiedlicher Hersteller, sondern stehen mittlerweile auch vor der Frage, für welche Antriebsart sie sich entscheiden sollen. Eines vorweg: Es gibt kein richtig oder falsch. Auswahl der Antriebsarten Welche Aspekte Unternehmen berücksichtigen sollten Bei der Auswahl der Antriebs- arten für den Fuhrpark müssen Unternehmen verschiedene Aspekte berücksichtigen, wie zum Beispiel: Kosten Die Anschaffungskosten für alternative Antriebsarten wie Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeuge sind in der Regel höher als für herkömmliche Verbrennungsmotoren. Allerdings können alternative Antriebsarten aufgrund ihrer höheren Kraftstoffeffizienz und geringeren Wartungskosten auf lange Sicht wirtschaftlicher sein. Umweltfreundlichkeit Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge haben im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren eine geringere Umweltbelastung, da sie entweder gar keine oder weniger Emissionen produzieren. Lade- oder Tankinfrastruktur Unternehmen sollten sicherstellen, dass es genügend Ladestationen oder Tankstellen gibt, um den Fuhrpark zu betreiben, insbesondere bei Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeugen. Dies ist insbesondere bei Reisen über lange Strecken wichtig. Fahrstrecken Elektrofahrzeuge haben eine begrenzte Reichweite, die je nach Modell und Bedingungen zwischen 100 und 500 Kilometer liegt. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die Antriebsarten für ihre Bedürfnisse geeignet sind, basierend auf den Entfernungen, die ihre Mitarbeitenden zurücklegen müssen. Nutzungsprofil Unternehmen sollten überlegen, welche Art von Fahrzeugen für welche Aufgaben geeignet sind, da verschiedene Antriebsarten für unterschiedliche Anforderungen besser geeignet sein können. Zum Beispiel könnten Elektrofahrzeuge für Kurzstreckenfahrten oder für den Stadtverkehr besser geeignet sein, während Brennstoffzellenfahrzeuge für längere Fahrten oder den Transport von schweren Lasten besser geeignet sein könnten. Wer kann Unternehmen bei der Auswahl der Antriebsarten ihres Fuhrparks beraten? Es gibt Berater und Fachleute, die Unternehmen bei der Auswahl der Antriebsarten ihres Fuhrparks beraten können. Einige mögliche Beratungsdienstleister sind: Automobilhersteller Automobilhersteller können Unternehmen bei der Auswahl der Antriebsarten für ihren Fuhrpark beraten und ihnen Informationen über die neuesten Fahrzeugmodelle und Technologien zur Verfügung stellen. Flottenmanagement-Dienstleister Diese Dienstleister bieten Unternehmen umfassende Unterstützung bei der Verwaltung ihres Fuhrparks an,
Alternative Antriebe 15 einschließlich der Beratung bei der Auswahl der Antriebsarten. Sie können Unternehmen dabei helfen, die optimalen Antriebsarten für ihre spezifischen Anforderungen zu ermitteln und die Kosten sowie Umweltauswirkungen zu bewerten. Energieversorger Energieversorger können Unternehmen dabei unterstützen, die notwendige Infrastruktur für alternative Antriebsarten bereitzustellen, wie zum Beispiel Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Tankstellen für Brennstoffzellenfahrzeuge. Sie können auch Beratungsdienstleistungen zur Verfügung stellen, um Unternehmen bei der Wahl der geeigneten Antriebsarten und Infrastrukturlösungen zu unterstützen. Beratungsunternehmen Beratungsunternehmen bieten Unternehmen umfassende Beratungsdienstleistungen an, um ihnen bei der Auswahl der Antriebsarten ihres Fuhrparks zu helfen. Sie können eine gründliche Analyse der Bedürfnisse des Unternehmens durchführen, um die am besten geeigneten Antriebsarten und Technologien zu ermitteln und Empfehlungen hinsichtlich der Kosten und Umweltauswirkungen abgeben. Welche Automobilclubs, Verbände oder Unternehmen in Deutschland haben spezielle Abteilungen oder Programme, die sich auf die Beratung von Unternehmen und Flottenbetreibern spezialisiert haben? In Deutschland gibt es mehrere Automobilclubs, die spezielle Abteilungen oder Programme haben, die sich auf die Beratung von Unternehmen und Flottenbetreibern spezialisiert haben: ADAC Der ADAC bietet eine spezielle Flottenberatung an, die Unternehmen bei der Auswahl von Fahrzeugen, Technologien und Infrastruktur unterstützt. Die Beratung umfasst auch die Analyse der Kosten und Umweltauswirkungen von verschiedenen Antriebsarten. ACE Der ACE bietet Unternehmen eine umfassende Beratung zu allen Fragen rund um die Flotte und Mobilität. Die Beratung umfasst auch die Analyse der Flottenanforderungen, die Identifizierung der am besten geeigneten Antriebsarten und die Unterstützung bei der Implementierung und Wartung von Infrastruktur. BVSK Der Bundesverband Selbständiger Kraftfahrzeugunternehmer e.V. bietet eine spezielle Flottenberatung an, die Unternehmen bei der Auswahl von Antriebsarten, Fahrzeugen und Infrastruktur unterstützt. Die Beratung umfasst auch die Analyse von Treibhausgasemissionen und die Bereitstellung von Empfehlungen zur Reduzierung von Emissionen und Kosten. TÜV Süd Der TÜV Süd bietet Unternehmen eine umfassende Beratung zu allen Fragen rund um die Flotte und Mobilität. Die Beratung umfasst auch die Analyse der Flottenanforderungen, die Identifizierung der am besten geeigneten Antriebsarten und die Unterstützung bei der Implementierung und Wartung von Infrastruktur. ThEGA Die Thüringer Energieagentur bietet eine kostenfreie Plattform für die Fuhrparkumstellung in Thüringen an. Wesentliche Assets dieser Plattform sind ein Fuhrparkanalyse-Tool zur Ermittlung der Elektrifizierungspotenziale, einen Marktüberblick für elektrische Fahrzeuge sowie weitere Informationen zu Ausschreibungen, Wirtschaftlichkeit und aktuellen Veranstaltungen. Zusätzlich ist der Ladeinfrastruktur-Rechner Teil der Fuhrparkplattform. Damit lassen sich die Kosten für die Installation nichtöffentlicher Lademöglichkeiten fundiert abschätzen. Außerdem ist die Plattform ein Forum zum Erfahrungsaustausch mit anderen Fuhrparkverantwortlichen. (tl) Anzeige
Automobil- und Zulieferindustrie 16 Einmal im Jahr treffen sich die Thüringer Automobil-Zulieferer zum Branchentag. Dabei beleuchtet der Branchenverband automotive thüringen e.V. (at) die Lage in diesem Wirtschaftsbereich. Außerdem tauschen sich die Zulieferer über aktuelle Trendthemen aus und holen sich dazu auch externe Experten an den Tisch. In diesem Jahr geht es um Human Centricity – also menschenzentriertes Handeln. Im Interview mit dem WIRTSCHAFTSSPIEGEL blickt at-Geschäftsführer Rico Chmelik nicht nur auf Stimmung und Lage der Thüringer Auto-Zulieferer, sondern gibt auch einen ersten Ausblick, was sich mit Human Centricity in der Branche ändern wird. Human Centricity wird die Branche deutlich verändern Vor dem Branchentag Automotive Herr Chmelik, es gibt das geflügelte Wort, dass die Stimmung schlechter ist als die Lage. Geben Sie uns als erstes ein möglichst objektives Bild über die Lage der Thüringer Zulieferindustrie. Die Herausforderungen des Strukturwandels sind nach wie vor Realität. Zahlreiche Unternehmen in Thüringen haben sich diesen Herausforderungen gestellt und damit begonnen, ihr Produktportfolio anzupassen, neue Produkte zu fertigen, neue Kunden zu gewinnen, zu diversifizieren. Diese Herausforderungen halten unvermindert an und werden ab 2024/25, wenn gegenwärtige Aufträge auslaufen, nochmals an Bedeutung gewinnen. Und in dieser Situation erleben wir im dritten Jahr in Folge, dass andere Themen in den Vordergrund rücken (müssen): Energie- und Materialkosten schnellen nach oben, Stückzahlen gehen nach unten, Lieferketten stocken, Planungsunsicherheiten bestehen fort. Folge ist, dass vielfach Themen des Strukturwandels an den Rand gedrängt werden und existenzielle Fragen (Liquiditätssicherung, Personalverfügbarkeit) zum zentralen Fokus werden. Der Austausch zwischen den Unternehmen ist kein Allheilmittel, um diese Probleme zu lösen. Aber Hinweise zu Lösungsansätzen und gemeinsamem Handeln können daraus entstehen. Als Netzwerk automotive thüringen bieten wir den Unternehmen diese Plattform. NeuePARTNER - Neue CHANCEN MEHRWERTE liefern ACODKONGRESS 2023 13. September 2023 Porsche Werk Leipzig Anzeige
Automobil- und Zulieferindustrie 17 Foto: at NISSHA-KARRIERE.DE #MADEBYNISSHA DU BIST AUCH EIN GROSSER FAN VON NACHHAL- TIGKEIT? BEWIRB DICH JETZT UM EINEN JOB MIT MEHRWERT BEIM MARKTFÜHRER FÜR SPRITZGUSSTECHNIK UND OBERLÄCHENGESTALTUNG IN WALTERSHAUSEN! Dann jetzt zum Gegenpol: Wie erleben Sie die Stimmung? Welche Herausforderungen beschreiben Ihre Mitgliedsunternehmen als die Größten? Auch das Jahr 2023 hat es in sich. Unübersehbare Risiken halten die Industrie in Atem: die anhaltende ChipKrise, Lieferengpässe und die Folgen eines unsäglichen Krieges mitten in Europa. All das hinterlässt auch in der europäischen Automobilindustrie deutliche Spuren. Die Thüringer Automobilzulieferindustrie bleibt grundsätzlich optimistisch, aber die Sorgen nehmen deutlich zu. Wir führen dazu regelmäßig Umfragen in der Thüringer Zulieferindustrie durch. Der Stimmungsumschwung im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich in mehreren Indikatoren. Auch wenn die Rückmeldungen zur Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung auf dem Niveau des Vorjahres geblieben sind, zeigen drei andere Indikatoren eine deutliche Verschlechterung: Wachstumsperspektiven, Investitionsbereitschaft und Zeithorizont einer wirtschaftlichen Erholung. Im Ranking der Herausforderungen für die Unternehmen ist die Bedeutung hoher Energie- und Materialpreise dramatisch nach oben geschnellt und wird als Herausforderung noch höher bewertet als die mangelnde Personalverfügbarkeit und die Sicherung der erforderlichen Liquidität. Die nachvollziehbare, aber letztlich schlechte Nachricht ist, dass hierdurch Herausforderungen zur Bewältigung des automobilen Strukturwandels, zum Beispiel Fokussierung auf neue Produkte, Effizienzsteigerung durch Automatisierung, in den Hintergrund treten. Thema des diesjährigen Branchentages ist Human Centricity. Menschenzentriertes Handeln ist ein neues Paradigma, das beim technologischen Wandel mitgedacht werden muss, heißt es dazu in der Einladung. Was heißt das konkret? Der Trend Human Centricity in der Automobilindustrie bedeutet, dass der Fokus bei der Entwicklung von Fahrzeugen zunehmend auf die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen gelegt wird, die diese Fahrzeuge nutzen werden. Dies umfasst nicht nur die Sicherheit und den Komfort, sondern auch die Benutzerfreundlichkeit, die Personalisierung und die Nachhaltigkeit. Konkret bedeutet dies, dass Automobilhersteller und Zulieferer verstärkt auf innovative Technologien at-Geschäftsführer Rico Chmelik Anzeige
Automobil- und Zulieferindustrie 18 setzen, die die Fahrt angenehmer, sicherer und effizienter gestalten, wie zum Beispiel autonome Fahrsysteme oder integrierte Entertainment-Systeme. Die Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug wird dabei immer wichtiger, was sich in der Gestaltung des Innenraums, der Bedienelemente und der Anzeigen zeigt. Darüber hinaus wird die Personalisierung von Fahrzeugen bedeutungsvoller, um individuelle Bedürfnisse und Vorlieben der Kunden zu erfüllen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, das Fahrzeug nach den eigenen Wünschen zu gestalten und auszustatten. Schließlich spielt auch die Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle in der Automobilindustrie. Im Zuge dessen setzen Hersteller vermehrt auf Elektro- und Hybridantriebe sowie auf umweltfreundliche Materialien und Produktionsprozesse. Insgesamt wird die Ausrichtung auf die Human Centricity die Zukunft der Automobilindustrie maßgeblich beeinflussen, indem sie die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung erhöht und somit zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen führt. Menschenzentriertes Handeln kann ich mir bei Produkten noch ganz gut vorstellen. Was heißt das aber für den Produktionsprozess? Im Fokus steht hierbei die Optimierung der Arbeitsbedingungen und die Steigerung der Produktivität durch die Integration von technischen Innovationen, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausgerichtet sind. Durch den Einsatz von neuen Technologien wie beispielsweise kollaborative Roboter (Cobots), Augmented Reality oder Wearables können Mitarbeitende in der Produktion entlastet werden und Arbeiten effizienter durchgeführt werden. Dies führt zu einer höheren Produktivität, einer verbesserten Qualität und einer Reduzierung von Arbeitsunfällen. Zudem ermöglicht die Human Centricity eine stärkere Individualisierung der Arbeitsumgebung, angepasst an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitarbeitenden. Hierbei spielen ergonomische Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten, Schulungen und Weiter- bildungen eine große Rolle, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern und deren Engagement zu steigern. Ein weiterer Aspekt ist die Förderung der Mitarbeiterbeteiligung und der offenen Kommunikation innerhalb der Produktionsprozesse. Durch die Einbindung von Mitarbeiterfeedback und Ideen können Unternehmen schneller auf sich verändernde Marktanforderungen reagieren und flexibler auf neue Entwicklungen eingehen. In welcher Form wird Human Centricity Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen der Branche haben, beispielsweise beim Recruiting? Human Centricity hat einen großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in der Automobilbranche, insbesondere auch in Bezug auf das Recruiting von qualifizierten Fachkräften. Im Zuge dessen wird ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden gelegt. Das bedeutet, dass Unternehmen verstärkt darauf achten werden, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Dazu können zum Beispiel eine moderne Büroausstattung, flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten oder betriebliche Gesundheitsangebote ge- hören. Darüber hinaus wird die Human Centricity auch Einfluss auf die Arbeitsinhalte haben. Hierbei geht es insbesondere um die Integration neuer Technologien und die Nutzung von Datenanalyse, um die Arbeitsprozesse zu optimieren und effizienter zu gestalten. Unternehmen, die hier Vorreiter sind, können sich im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte einen Vorteil verschaffen. Interview: Torsten Laudien Branchentag Automotive 6. Juli 2023 · Ichtershausen www.automotive-thueringen.de · NEU: Schneiden von Messing und Kupfer · Laserschneiden 24/48 Std. Service · Laserrohrbearbeitung/3D · Drahterodieren · Blechbearbeitung/Kanten/Schweißen · Wasserstrahlschneiden/3D bis 4000 x 4000 mm · Komplettlösungen/Montage · CNC-Fräsen/Drehen/Bohren · Präzisionsflachschleifen · Industrieservice Industriegebiet Sättelstädt Burlaer Straße 1 99820 Hörselberg-Hainich Telefon: +49 (0) 3622 65316 Fax: +49 (0) 3622 65317 E-Mail: info@ha-beck.de Internet: www.ha-beck.de Anzeige
Land und Bund wollen die Forschung rund um die Brennstoffzellen-Technologie und die Wasserstoffnutzung vorantreiben. Vor allem geht es um integrierte Konzepte im Mobilitätsbereich. Das Thüringer Projekt TH2ECO kann als eines von bundesweit drei auf Förderung hoffen. TH2ECO gewinnt Förderung 15 Millionen Euro für Thüringer Wasserstoffprojekt Im Rahmen des Nationalen Investitionsprogramms Wasserstoff- und Brennzellentechnologie des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) kann das Thüringer Wasserstoffprojekt TH2ECO mit bis zu 15 Millionen Euro Förderung rechnen. Auf dem zweiten HyLand Symposium in Berlin benannte Michael Theurer, Staatssekretär beim BMDV, die drei Gewinnerregionen aus dem Wettbewerb HyPerformer II. Neben RügenStralsund und der Region Rhein-Ruhr erhielt auch der Freistaat den Zuschlag. Das größte Wasserstoff-Pilotprojekt Thüringens kann somit die volle Fördersumme zum Auf- und Ausbau einer Wasserstoffinfrastruktur für den Transportsektor in der Region Erfurt beantragen. HyPerformer hat zum Ziel, integrierte Konzepte mit dem Fokus auf den regionalen Mobilitätsbereich zu unterstützen. Wasserstoff-Mobilitätshub am GVZ Erfurt Den Antrag hat das TH2ECO-Projekt unter Federführung der EurA AG und mit Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) eingereicht. Kernstück ist die Entwicklung eines WasserstoffMobilitätshubs am Güterverkehrszentrum (GVZ) Erfurt. Dazu gehört der Bau einer öffentlichen Wasserstofftankstelle, inklusive regionaler WasserstoffErzeugung, Abfüllung und Logistik. Dazu gibt es eine Reihe von Teilzielen: Errichtung von zwei Elektrolyseuren Anschluss an Verteilpipeline für Wasserstoff Aufbau von wasserstoffbetriebener Intralogistik Errichtung H2-Abfüllstation & Speicher-Trailer Mit dem Projekt soll der Übergang von einer Insellösung zu einem Netz zur Verteilung mit Anschluss an ein europäisches Versorgungsnetz demonstriert werden. Investitionen von 25 Millionen Euro Thüringens Energieminister Bernhard Stengele dankte allen Beteiligten: „Sich in einem so stark besetzten Bewerberfeld aus ganz Deutschland durchzusetzen zeigt, dass Thüringen beim Thema Wasserstoff ganz vorne dabei ist“. Der Freistaat habe mit der Kombination aus sauberer Erzeugung von grünem Wasserstoff und der breiten Anwendung als Speicher für klimafreundliche Fernwärme und in der Logistik überzeugt. Jetzt müsse Thüringen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien diese Erfolgsgeschichte fortschreiben. Auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee gratulierte dem Projekt. Es sei ein großer Erfolg, dass 15 Millionen Euro Fördermittel des Bundes in die Thüringer Wasserstoffwirtschaft fließen. „Dieser Gewinn wird spürbar dazu beitragen, dass sich Thüringen weiter als Spitzenstandort für Wasserstofftechnologien etablieren kann", sagte Tiefensee. Neben der Förderung investieren auch die Projektpartner, sodass sich die Gesamtinvestitionen für das Projekt auf 25 Millionen Euro belaufen. (tl) 19 Foto: Hyland v.l.: Florian Becker (TMWWDG), Dr. Katharina Großmann (Ferngas, TH2ECO Projektleitung), Vanessa Di Leonardo (BOREAS Energie), Kilian Fromm (Green Wind Innovation), Anika Winkelhöfer (TMUEN), Dirk Schmidt (EurA), Parlamentarischer Staatssekretär Michael Theurer (BDMV), Elisabeth Pfeiffer (EurA), Elena Hof (Jet H2 Energy)
Automobil- und Zulieferindustrie 20 Foto: elektronik-zeit - stock.adobe.com Für 2023 sind bei der Produktion von vollelektrischen Fahrzeugen in Deutschland Rekordwerte zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt das gerade fertiggestellte E-mobility Dashboard, das regelmäßig vom Chemnitz Automotive Institute (CATI) erarbeitet wird. Das CATI ist ein Geschäftsbereich der TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung an der TU Chemnitz Deutschland erwartet Rekord bei Produktion vollelektrischer Autos CATI E-mobility Dashboard Prognose für 2023 Dieses Ergebnis steht nach Angaben des Instituts in einem deutlichen Kontrast zu gegenwärtigen Statements, die sich ausschließlich auf aktuelle Zulassungszahlen beziehen und vor diesem Hintergrund in Deutschland eine bevorstehende „Dürrezeit für das Elektroauto“ prognostizieren. Da sich ab Januar dieses Jahres die staatlichen Zuschüsse (sogenannte Innovationsprämien – d. Red.) für Elektroautos nachhaltig reduziert haben, war der Monat Dezember in Deutschland durch einen immensen Nachfrage-Boom gekennzeichnet, heißt es in der Studie. Allein auf diesen Monat entfielen 20 Prozent der Neuzulassungen des gesamten Jahres 2022. Es war demnach nicht zu erwarten, dass der Boom eine Fortsetzung findet. Mehr vollelektrische Fahrzeuge Während Plug-in Hybride (PHEV) durch den vollständigen Entfall der Förderung deutlich an Volumen verlieren werden, geht CATI in seinen Marktprognosen bei vollelektrischen Fahrzeugen (Battery Electric Vehicles - BEV) für 2023 von einem Zuwachs der Neuzulassungen um 15 Prozent in Europa auf 1,8 Millionen Einheiten aus. In Deutschland sei mit einem Zuwachs um zehn bis zwölf Prozent auf 520.000 bis 530.000 Fahrzeuge zu rechnen. Ein ganz anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn je Hersteller, Standort und Modell die entsprechenden Produktionsstückzahlen recherchiert und bewertet werden. Dies ist der eigentliche Gegenstand des CATI E-mobility Dashboards.
AUF WACHSTUMSKURS IN ERFURT Seit 75 Jahren bauen wir Zukunft. Was in Paderborn begann, begeistert heute Kunden in ganz Deutschland und darüber hinaus. Ganzheitliche integrale Planung und professionelles Projektmanagement in allen Projektphasen: Mit Gründung der Erfurter Niederlassung im Jahr 2023 markiert BREMER auch in Mitteldeutschland seine hohe Kompetenz im schlüsselfertigen Bauen mit Stahlbetonfertigteilen. bremerbau.de Stef fen Spredemann Geschäf t ss te l l enl e i ter, BREMER Erfurt Anzeige www.cati.institute Zunahme um 75 Prozent Danach ist für 2023 eine Zunahme der in Deutschland produzierten vollelektrischen Fahrzeuge um 75 Prozent auf eine Million BEV zu erwarten. Im Jahr 2022 waren es noch 570.000 Einheiten. „Diese im Jahr 2023 zu erwartenden Rekordwerte für die Produktion vollelektrischer Fahrzeuge in Deutschland, die wir noch konservativ bewertet haben, senden ein deutlich anderes Signal als der Blick auf die Zulassungszahlen der ersten beiden Monate unter Zusammenfassung von PHEV/BEV unter dem Oberbegriff Elektroauto“, so Professor Werner Olle bei der Vorstellung des E-mobility Dashboards. Woher kommt der Zuwachs? Die Ursachen für diesen immensen Anstieg der BEV-Produktionszahlen in 2023 sind vielfältig: die Zahl der Produktionsstandorte steigt auf 18 an (Wolfsburg, Ingolstadt, Köln und Rüsselsheim kommen neu hinzu) neue BEV-Modelle gehen in Serie (vom ID.7 bei Volkswagen über den BMW i5 bis hin zu den ersten in Deutschland gefertigten Modellen von Ford und Opel) an zahlreichen Standorten sind deutliche Stückzahlsteigerungen zu erwarten (zum Beispiel im Tesla-Werk in Grünheide und an allen VW-Standorten) die bestehende Auftragsschleppe mit ungewöhnlich hohen Lieferrückständen der Hersteller wird sukzessive abgebaut und: „die im Inland produzierten vollelektrischen Fahrzeuge gehen zu drei Viertel in ausländische Märkte und sind damit in erheblichem Umfang von der inländischen Nachfrage entkoppelt“, so Prof. Olle. In der Tat zeigen die CATI-Auswertungen je nach Modell und/oder Hersteller für alle deutschen Automobilhersteller 2022 überragende Exportquoten bei den vollelektrischen Fahrzeugen: 88 Prozent bei Porsche, 83 Prozent bei BMW, 81 Prozent bei Mercedes, 75 Prozent bei Audi und 74 Prozent bei der Marke Volkswagen. Fazit Der Produktion von batterieelektrischen Fahrzeugen gehört der Studie zufolge an deutschen Automobilstandorten offenkundig die Zukunft. Das Jahr 2023 setzt auf diesem Weg ein deutliches Zeichen. „Diese aktuellen Produktionszahlen bestätigen sehr eindrucksvoll eine Prognose, die wir in einer viel beachteten Gemeinschaftsstudie mit dem CATI ‚Elektromobilitätsstrategien der Automobilhersteller‘ bereits Anfang 2019 veröffentlicht haben. Dort wurde für 2025 eine Inlandsproduktion von 1,6 Millionen vollelektrischer Fahrzeuge prognostiziert“, ergänzt Dirk Vogel, Geschäftsführer des RKW Sachsen und Netzwerkmanager des Netzwerks Automobilzulieferer Sachsen (AMZ). In dieser Vorschau war allerdings das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin noch nicht eingerechnet. (tl)
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